Die Symbolik des 17. Jahrhunderts in den Gärten

Winterschloss Paleis Het Loo

Der Platz der Stallungen ist geöffnet bis zum 5. Januar 2020. Der Palast ist wegen Renovierungsarbeiten bis 2021 geschlossen.

Freitag 24 Mai 2019

Die Symbolik des 17. Jahrhunderts in den Gärten

het paleis_vogelvlucht Schenck

Paleis Het Loo aus der Vogelperspektive, um 1700

König-Statthalter Willem III. und seine Gemahlin Mary  II. ließen 1686 Paleis Het Loo mit einem prachtvollen Garten erbauen. Dieser Garten war mehr als ein fürstliches Hobby; er war ein Symbol für die Position und Macht des Königspaares. Alle Elemente in dem Garten, wie die Statuen und die Springbrunnen, passen in diese symbolische Bedeutung.

2-Willem III en Mary

König-Statthalter Willem III. und Königin Mary  II. (langfristige Leihgabe den Königlichen Sammlungen, Den Haag)

Paradies auf Erden

Der Garten des 17. Jahrhunderts symbolisierte das Paradies auf Erden, die Vollkommenheit der göttlichen Schöpfung. Die perfekte Symmetrie, ein wichtiges Element des Barockgartens, bedeutete den letztendlichen Sieg des Menschen über die Natur. Die Anlage eines solchen Gartens zeigte, dass der Besitzer, in diesem Fall König-Statthalter Willem III., sehr mächtig war. Es war ja wahrhaftig ein Wunder: ein Garten voll besonderer Pflanzen und Blumen, mit plätschernden Springbrunnen in einer dürren Landschaft mit Sandverwehungen. Dieses Wunder konnte nur mit Geld, Weitblick und Beharrlichkeit verwirklicht werden.

3-bezoekers in tuin

Der schöne Garten voller Symbolik regte zum Nachdenken an und sorgte für Gesprächsstoff. Ein Spaziergang in den Gärten von Het Loo war daher eine überwältigende und lehrreiche Erfahrung. Wenn zum Leben auch Fallstricke und Herausforderungen gehören, wie im Garten dargestellt, steht am Ende doch das versprochene Paradies.

Besucher bewundern die Schlossgärten im 17. Jahrhundert

Ein Orangenbaum im Schlossgarten

Blumen und Pflanzen

In den Gärten von Paleis Het Loo spielen Blumen und Pflanzen eine wichtige Rolle. Im 17. Jahrhundert bedeutete ein Garten mit exotischen und daher auch teuren Blumen und Pflanzen, dass der Besitzer vermögend war und auch die Kontakte hatte, um einen solchen Garten anlegen und pflegen zu lassen.

Blumen, Früchte und Pflanzen hatten im 17. Jahrhundert oft eine subtile und manchmal auch komplexe Bedeutung. Der Orangenbaum beispielsweise ist das Symbol für das Haus Oranien-Nassau; dieser Baum trägt nämlich gleichzeitig Blüten und Früchte: ein ausdrucksstarkes Symbol für die Kontinuität der Oranier-Dynastie. Die Tulpe symbolisiert Reichtum und der Efeu die Vaterlandsliebe. Die blaue, weiße und gelbe Winde wird „Prinzenblume“ genannt, weil die Farben auf die Uniform der Prinzen von Oranien-Nassau verweisen.

Der Untergarten

In den Gärten von Het Loo stehen zahllose Statuen und Springbrunnen, die subtil auf den Reichtum, die Macht und den Erfolg des König-Statthalters Willem III. und seiner Gemahlin Mary II. hinweisen.

Der Venus-Brunnen

Venusfontein, foto Paleis Het Loo (IMGP6026)
Der Venus-Brunnen steht für Liebe, Fruchtbarkeit und Geburt. Venus ist die römische Göttin der Liebe und Schönheit, die aus dem Schaum des Meeres geboren wurde. Der Venus-Brunnen passt gut in den Schlossgarten, weil die Göttin Venus die Schutzpatronin der Gärten und Weingärten ist. Aber im 17. Jahrhundert verstand jeder, dass dies auch auf Prinzessin Mary verwies, die von England über das Meer in die Niederlande fuhr, um Statthalter Willem III. zu heiraten. Der geflügelte Knabe im unteren Teil des Brunnens ist Cupido, der Helfer der Venus. Die vergoldeten Figuren sind Tritonen: halb Mensch, halb Fisch. Sie blasen auf ihren Muscheln, um die Wellen des Meeres zu besänftigen. Die Schwäne am Rand symbolisieren Grazie, Reinheit, Liebe und Treue.

Der Herkules-Brunnen

6-Herculesfontein
Der Herkules-Brunnen ist ein symbolischer Hinweis auf Willem III. Der Sage nach findet der junge Halbgott Herkules zwei Giftschlangen in seiner Wiege. Dem kleinen Kind gelingt es jedoch, die Schlangen zu töten. Auch in seinem späteren Leben wird Herkules noch oft gegen zahlreiche bösartige Ungetüme kämpfen. Willem III. wurde erst nach dem Tod seines Vaters geboren. Damit begann die erste statthalterlose Zeit (1650-1672). Gleich wie Herkules war auch Willem ein besonderes Kind mit einem „Auftrag“, aber ebenfalls mit einem schweren Beginn. Er musste in seiner Jugend viele Hindernisse (Schlangen) überwinden, bevor er zum Statthalter ernannt werden konnte. Der Herkules-Brunnen steht daher als Symbol für Kraft, Klugheit und Tapferkeit.

Romulus und Remus

7-Romulus_en_Remus
An beiden Enden der Balustrade zwischen den Untergarten und Obergarten stehen die Statuen von Romulus und Remus, nach der Legende die Gründer des alten Roms. Nachdem ihre Mutter ermordet worden war, wurden Romulus und Remus als Neugeborene in einem Korb in den Tiber geworfen, wo sie eine Wölfin fand und säugte. Auch dies verweist wieder auf die Jugend Willems III., der ohne Vater aufwuchs und sich später einen Platz in der Regierung des Landes erobern musste.

Himmelskugel-Brunnen

8a-Hemelbolfontein
Auf dem Himmelskugel-Brunnen befinden sich die zwölf Tierkreiszeichen. Aus den wichtigsten Sternen sprühen Wasserstrahlen. Zur Zeit der Rekonstruktion der Gärten in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wusste man nicht, welche Position diese Kugel ursprünglich hatte. Man entschied sich für den Himmel, wie er in London am 30. April 1662 um ein Uhr nachts gesehen wurde: der Ort und Zeitpunkt, zu dem die spätere Königin Mary Stuart II. geboren wurde.

Die Erdkugel-Brunnen

8b-Aardbolfontein
Die Erdkugel-Brunnen bildet das Gegenstück zum Brunnen mit Himmelskugel und somit fügt er sich in die perfekte Symmetrie des Gartens. Aus den wichtigsten Handelsplätzen, mit denen die Niederlande im 17. Jahrhundert Geschäfte machten, sprühen Wasserstrahlen. Der Brunnen zeigt die Grandeur Willems III. als Herrscher über ein Land mit der damals größten Handelsflotte der Welt. Der Himmelskugel-Brunnen und der Erdkugel-Brunnen stehen daher für Wissen und Macht.

Die vier Skulpturen in den äußersten Parterres des Untergartens symbolisieren die vier Jahreszeiten: Flora steht für den Frühling, der Gott Apollo für den Sommer, Bacchus für den Herbst und Pomona mit ihrem Korb voller Äpfel für den Winter.

9a-Pomona.
9b-Apollo
9c-Bacchus
9d-Flora

Eine Kaskade ist ein künstlicher Wasserfall, bei dem das Wasser stufenweise nach unten fließt. In den Prunkgärten des 17. Jahrhunderts waren solche Wasserfälle sehr in Mode. Vor der einen Kaskade befindet sich die Statue der mythologischen Figur des Narziss, der verliebt auf sein eigenes Spiegelbild im Wasser starrt. Dies ist eine Warnung gegen die Eitelkeit. Vor der anderen Kaskade steht der Sänger Arion. Er reitet auf einem Delphin und spielt auf einer Zither. Der Sage nach wurde Arion von Piraten über Bord geworfen und auf wunderbare Weise von einem Delphin gerettet.

Viele mythologische Figuren in dem Garten stammen aus der römischen und griechischen Mythologie. Der römische Dichter Ovid beschrieb diese Figuren in seinen „Metamorphosen“. Joost van den Vondel, ein niederländischer Dichter aus dem 16. Jahrhundert, übersetzte die „Metamorphosen“ aus dem Lateinischen ins  Niederländische. So wurden auch die Personen in diesen Erzählungen einem breiteren Publikum in den Niederlanden bekannt.

10a-Narcissus-cascade

Der Obergarten

Den Eingang zum Obergarten, das Paradies, bewachen zwei Sphinxe. Die Sphinx, halb Löwe, halb Frau, ist eine mythische Figur aus dem klassischen Altertum.

Das Prunkstück im Garten des 17. Jahrhunderts  war der Königsspringbrunnen, dessen Fontäne höher als dreizehn Meter war. Als der Brunnen 1692 angelegt wurde, stieß er die damals in Europa höchste Fontäne aus.  Jahrhundert aus Quellen von den höher gelegenen Gebieten, viele Kilometer weiter oben. Über ein kunstvolles Rohrsystem strömte das Wasser schließlich mit einem Gefälle von etwa dreißig Metern zu den Gärten. Dieses gewagte und sehr erfinderische Wassernetzwerk erzeugte genügend Druck, um den Königsspringbrunnen aus sich selbst, also ohne Pumpen, sprühen zu lassen. Auch dieses innovative Wassersystem war ein Symbol für Kenntnis und Können des Fürsten wie auch den letztendlichen Sieg des Menschen über die Natur.

Die Skulptur „Der Raub der Sabinerinnen“ kommt aus dem Garten von Paleis Huis ten Bosch. Sie wurde in den 1980er Jahren im Garten von Paleis Het Loo aufgestellt. Daher passt diese Skulptur nicht in die ursprüngliche Symbolik des Gartens aus dem 17. Jahrhundert.

11-Sfinx (foto_Fred_Roest)

Foto Fred Roest

12-Koningssprong
CTA-goew-libeskind
Tickets